(ef) Kurz nach 18 Uhr begrüsste Bezirksparteipräsident Sebastian Laube die Anwesenden in der Halle 18 der Birchmeier-Gruppe, speziell Nationalrätin Maja Riniker, Kantonalpräsidentin Sabina Freiermuth sowie Grossrätin und Gemeinderätin Claudia Hauser. Die ordentliche GV fand dieses Jahr später als üblich statt; als Grund nannte Laube organisatorische Friktionen bei der Vorbereitung der Wahlen 2027. In seiner Begrüssung hielt er fest, das Unternehmen zeige, wie KMU in der Schweiz dank guter Rahmenbedingungen vom Kleinbetrieb zum schweizweit bekannten Namen wachsen könnten. Der Einladung folgten 17 Mitglieder und vier Gäste. Entschuldigt hatten sich Ständerat Thierry Burkart sowie einige weitere Mitglieder. Vor den politischen Traktanden erhielt Dani Baumgartner, bei der Birchmeier-Gruppe verantwortlich für das Projekt DOT, die Gelegenheit, die «grosse Kiste» vorzustellen. Gespannt war man auch auf das Referat von Maja Riniker.
Ein Jahr im Dienst der Schweiz
Nationalrätin Maja Riniker war als Gastreferentin eingeladen. Zuerst berichtete sie über ihr Jahr als Nationalratspräsidentin, das ganz im Zeichen von Verantwortung, Begegnungen und Solidarität gestanden habe. Im zweiten Teil gab sie einen Ausblick auf ein mögliches Amt als Regierungsrätin.
In ihrem Referat gewährte sie Einblicke in die vielfältigen Aufgaben, persönlichen Begegnungen und politischen Herausforderungen, die dieses Amt mit sich bringt. Dabei wurde deutlich: Nicht die eigene Person, sondern die Verantwortung für das Amt und das Engagement für unser Land stehen im Mittelpunkt.
Die Leitung des Nationalrats erfordere Fairness, Konsequenz und die Fähigkeit, allen Ratsmitgliedern unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung gleich zu begegnen. Vertrauen sei eine wichtige Grundlage für die Zusammenarbeit. Gerade in einer Zeit, in der politische Meinungsverschiedenheiten oft deutlich zum Ausdruck kämen, sei es entscheidend, einander zuzuhören und andere Standpunkte ernst zu nehmen.
Zu den bewegendsten Momenten ihres Präsidialjahres gehörte der Tod eines Ratsmitglieds während der Herbstsession. Mit einem Kondolenzbuch schuf sie einen Ort, an dem die Ratsmitglieder ihrer Trauer Ausdruck verleihen konnten. Dieses Erlebnis habe gezeigt, dass hinter allen politischen Gegensätzen auch menschliche Verbundenheit bestehe.
Auch die zahlreichen Auslandreisen hinterliessen bleibende Eindrücke. Beim Besuch der finnischen Küstenwache sei ihr die Bedeutung der europäischen Sicherheitszusammenarbeit bewusst geworden. Die Schweiz müsse ihre Neutralität wahren, gleichzeitig aber im Rahmen ihrer Möglichkeiten Verantwortung für die gemeinsame Sicherheit übernehmen.
Besonders eindrücklich seien die Begegnungen in der Ukraine gewesen. Die Zerstörungen und das Leid der Bevölkerung machten deutlich, wie tief ein Krieg das Leben der Menschen erschüttere. Die Referentin unterstrich die Bedeutung der Schweizer Solidarität und des Wiederaufbaus. Schweizer Unternehmen wie Geberit, Sika und Glas Trösch engagierten sich vor Ort, schafften Arbeitsplätze und trügen zur Wiederherstellung wichtiger Infrastrukturen bei.
Weitere Begegnungen hätten gezeigt, wie wichtig die Schweizer Botschaften für die Beziehungen zu anderen Ländern seien. Sie ermöglichten Kontakte zwischen Forschung, Wirtschaft und Politik und könnten so konkrete Kooperationen anstossen. Auch die internationale Zusammenarbeit bei Zukunftsthemen wie dem Wassermanagement werde zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Zum Abschluss ihres Rückblicks betonte die Referentin, wie wichtig persönliches Engagement für die Gesellschaft und die kommenden Generationen sei. Ein politisches Amt sei zeitlich begrenzt. Entscheidend bleibe, es mit einer klaren inneren Haltung, Menschlichkeit und Verantwortungsbewusstsein auszufüllen.
«Ich mache keine leeren Versprechen»
Im zweiten Teil des Referats bekräftigte Maja Riniker ihre Bereitschaft, Verantwortung im Aargauer Regierungsrat zu übernehmen und sich engagiert für den Kanton einzusetzen. Sie wolle eine Regierungsrätin sein, die Türen offenhalte, zuhöre und keine falschen Hoffnungen wecke – Wahlversprechen lehne sie bewusst ab. Besonders bewege sie die Lage der Mittelstandsfamilien, die unter steigenden Krankenkassenprämien, Kita- und Lebenshaltungskosten litten. «Das nehme ich im Fall sehr, sehr ernst», betonte sie. Wichtig seien ihr zudem der Abbau bürokratischer Hürden und raschere Baubewilligungsverfahren. In der Energiepolitik setze sie auf Technologieoffenheit und realistische Lösungen, die Versorgungssicherheit, Lebensqualität und Wohlstand auch für kommende Generationen gewährleisteten.
Grösstes Entwicklungsgebiet im Kanton
Dani Baumgartner präsentierte das derzeit grösste Entwicklungsgebiet im Kanton Aargau: Auf dem 75’000 m² grossen Areal der 2023 gegründeten Birchmeier Hess Immobilien in Döttingen entstehen rund 550 Eigentums- und Mietwohnungen sowie etwa 15’000 m² Gewerbefläche. Geplant sind Gebäude mit vier bis acht Stockwerken, angeordnet um eine grüne Mitte, die der ganzen Bevölkerung als Begegnungs- und Erholungsort dienen soll. In den Erdgeschossen sind unter anderem eine Bäckerei, ein Laden, ein Gesundheitsangebot, ein Restaurant und eine Kita vorgesehen. Der politische Prozess läuft: Nach der Vorprüfung des Teilgestaltungsplans und des Rahmengestaltungsplans soll Ende 2027/Anfang 2028 das Baugesuch eingereicht werden. Baubeginn ist 2029, die ersten Bezüge sind für 2032 geplant. Als Zwischennutzung unter dem Titel «Lebensraum» entstehen bereits jetzt ein Indoor-Spielplatz, lokale Werkboxen und ein Seminarraum für Vereine. Zudem zieht im Mai 2027 der Möbelmarkt Ottos aufs Areal. Mit der Firma wurde ein 8 Jahresvertrag abgeschlossen. Die gesamte Entwicklung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde Döttingen und dem Kanton Aargau.
Herausforderungen für die Gemeinde
Gemeinderätin Claudia Hauser ergänzte die Ausführungen aus Sicht der Gemeinde und bestätigte die enge Zusammenarbeit mit der Projektleitung. Rund 10’000 m² des Areals gehören der Gemeinde. Es ist ihre letzte Baulandreserve und soll für öffentliche Bauten genutzt werden. Das starke Bevölkerungswachstum wirkt sich auch auf die Schulraumplanung aus: Der Kindergarten reiche zwar aus, es brauche aber zusätzliche Schulzimmer und eine dritte Turnhalle. Die grösste Herausforderung sei der Verkehr. Für den Viertelstundentakt der S27 brauche es ein zweites Gleis nach Turgi, das im aktuellen Bahnausbauprogramm des Bundes jedoch fehle. Man stehe aber in engem Kontakt mit Ständerat Thierry Burkart. Neue Strassen oder einen Autobahnanschluss werde es nicht geben. Mit dem Kanton sowie den Regionen Brugg und Baden sei ein Gesamtverkehrskonzept erarbeitet und das Busangebot Anfang Jahr ausgebaut worden. Ob der Kanton das Angebot nach der dreijährigen Testphase übernehme, hänge davon ab, wie stark die Bevölkerung es nutze. Claudia Hauser rief die Anwesenden deshalb auf, die Busverbindungen auch zu nutzen.
Einstimmige Nomination
Im Hinblick auf die eidgenössischen Wahlen vom 24. Oktober 2027 beantragte die Geschäftsleitung der Bezirkspartei, Thierry Burkart als Ständeratskandidaten und Claudia Hauser als Nationalratskandidatin zu nominieren. Kantonalparteipräsidentin Sabina Freiermuth empfahl in ihrer Laudatio, beide zu nominieren. Sie lobte Claudia Hauser – Vizepräsidentin der Partei, Grossrätin und Präsidentin der Justizkommission – als verlässliche Partnerin: Was sie anpacke, sei in guten Händen. Das habe sich beispielsweise gezeigt, als sie selbst krankheitshalber ausgefallen sei und Claudia Hauser die Führung und Verantwortung übernommen habe. Ihr Vorangehen motiviere auch andere Frauen zu einer Kandidatur. Die Anwesenden stimmten dem Antrag mit Akklamation zu. Die definitive Nomination erfolgt am kantonalen Parteitag vom 26. Januar 2027.
Alle Traktanden einstimmig
Der statutarische Teil war Routine. Die Wahl eines Stimmenzählers, das Protokoll der letzten Generalversammlung, die Jahresrechnung und der Antrag zur Höhe der Mitgliederbeiträge passierten diskussionslos und einstimmig. Im Jahresbericht liess der Präsident das vergangene Jahr Revue passieren. Besonders hob er hervor, dass die Parolen der FDP bei sämtlichen Abstimmungen mit dem Volksentscheid übereingestimmt hätten. In die Geschäftsleitung der Bezirkspartei wiedergewählt wurden Sebastian Laube, Zurzach, als Präsident sowie Claudia Hauser, Döttingen, Raphael Haefeli, Klingnau, und Markus Meyer, Böttstein. Nach 46-jähriger Zugehörigkeit nicht mehr angetreten ist Huldrych Egli, Böttstein. Claudia Hauser dankte ihm für seine langjährige Unterstützung und überreichte ihm ein Präsent.
Wortmeldungen aus der Versammlung gab es keine. So konnte die GV um 20.25 Uhr offiziell beendet werden, und man ging zum von der Birchmeier AG offerierten Apéro über. Viele nutzten die Gelegenheit zu einem persönlichen Gespräch mit Maja Riniker und Sabina Freiermuth.